Es gibt einen Schweizer Kanton, der bis 1848 einem preussischen König gehörte, und er feiert das Ende dieser Zeit bis heute. Am 1. März wird im Kanton Neuenburg nicht gearbeitet: Es ist ein Feiertag, den es sonst nirgends in der Schweiz gibt. Um 4.45 Uhr spielt eine Blasmusik vor dem Monument de la République, Stunden später gibt in Le Locle ein Kanonenschuss den Start für mehrere hundert Wanderer, die dreissig Kilometer bis zum Schloss zurücklegen, und auf der Place du Port drehen sich die Karussells. Gefeiert wird die Neuenburger Revolution von 1848, der Tag, an dem das Fürstentum zur Republik wurde. 2027 fällt der 1. März auf einen Montag. Wer das erleben will, reist übers Wochenende an und übernachtet dort, wo der Tag beginnt: im Hotel Beaulac am Hafen, zu buchen auf beaulac.ch.
Was gefeiert wird: ein preussisches Fürstentum in der Eidgenossenschaft
1707 starb Marie de Nemours, Fürstin von Neuenburg, ohne direkte Erben. Die Neuenburger Bürgerschaft wählte daraufhin den König von Preussen, Friedrich I., zum neuen Fürsten. Nach einem napoleonischen Zwischenspiel, in dem Marschall Berthier das Fürstentum erhielt, fiel Neuenburg an Preussen zurück. Am 12. September 1814 nahm die Tagsatzung es zugleich als 21. Kanton in die Eidgenossenschaft auf, zusammen mit dem Wallis und Genf.
Über dreissig Jahre lebte Neuenburg damit in einer Doppelstellung, die es in der Schweiz kein zweites Mal gab: Kanton des Bundes und zugleich Fürstentum in Personalunion mit Preussen. Ein erster republikanischer Aufstand scheiterte 1831.
Ende Februar 1848 erreichte die Nachricht von der Pariser Revolution die Neuenburger Berge. In Le Locle hissten Republikaner am Abend des 28. Februar vor dem Hôtel de la Fleur-de-Lys die Schweizer Fahne. Am 29. Februar, 1848 war ein Schaltjahr, übernahmen sie die Kontrolle über die Stadt, bald gefolgt von La Chaux-de-Fonds und dem Val-de-Travers.
Am Morgen des 1. März zog eine Kolonne von rund 800 Freiwilligen unter Fritz Courvoisier und Ami Girard Richtung Neuenburg. Es schneite in Böen, Pferde zogen vorne Schneepflüge, um den Weg freizumachen. Mittagsrast auf dem Pass der Vue-des-Alpes, Verstärkung im Val-de-Ruz, Kapitulation einer kleinen royalistischen Truppe in Malvilliers, zwei erbeutete Kanonen in Valangin. Kämpfen mussten die Republikaner nicht: Die royalistische Regierung hatte das Schloss vor ihrer Ankunft verlassen. Um 21 Uhr bildete Alexis-Marie Piaget die erste republikanische Regierung.
Der Neuenburgerhandel: als die Schweiz fast gegen Preussen marschierte
Erledigt war die Sache damit nicht. Im September 1856 besetzten Royalisten in einem Handstreich das Schloss Neuenburg und hissten die Fahne mit dem preussischen Adler. Republikaner aus La Chaux-de-Fonds und dem Val-de-Travers holten es zurück, die Aufständischen wurden gefangen genommen.
Friedrich Wilhelm IV. verlangte ihre Freilassung, der Bundesrat weigerte sich, Preussen brach die diplomatischen Beziehungen ab. Die Schweiz mobilisierte, General Dufour liess Truppen an den Rhein verlegen, in Basel wurde eigens eine Behelfsbrücke gebaut. Unter Vermittlung von Napoleon III. und mit Rückendeckung aus London wurde der Neuenburgerhandel schliesslich friedlich gelöst: Im Vertrag von Paris vom 26. Mai 1857 verzichtete der König auf seine Rechte über Neuenburg, behielt aber den Titel eines Fürsten von Neuenburg. Die Schweiz liess im Gegenzug die Royalisten frei.
Für die Neuenburger ist die Republik trotzdem am 1. März 1848 geboren. Und 2022 hielt die Kantonsregierung fest, dass von allen Revolutionen des Völkerfrühlings einzig die neuenburgische Bestand hatte.
Die Marche du 1er Mars: 30 Kilometer auf den Spuren der Republikaner
Am greifbarsten wird diese Geschichte auf der Marche du 1er Mars, denn sie folgt dem Weg von 1848. In ihrer heutigen Form gibt es sie seit 1984, als der Radiomoderator Rémy Gogniat sie mit rund sechzig Teilnehmenden ins Leben rief. Heute gehen jedes Jahr zwischen 500 und 1000 Menschen mit.
Der historische Start liegt in Le Locle, beim Donner der Kanonen der Batterie 13. Je nach Ausgabe gibt es weitere Startorte, etwa in La Chaux-de-Fonds und Môtiers. Die Route führt über die Vue-des-Alpes, durch das Val-de-Ruz und Valangin hinunter zum Schloss Neuenburg. Rund dreissig Kilometer, grösstenteils auf der Strasse.
Die Schwierigkeit liegt nicht im Gelände, sondern in der Länge und der Jahreszeit. Gelaufen wird bei jedem Wetter, und ein 1. März im Jura kann noch tiefer Winter sein. An jeder Etappe gibt es heissen Tee, ein Stück Taillaule, den Neuenburger Hefezopf, oder eine Suppe.
Die Anmeldung ist gratis, aber obligatorisch, auf marchedupremiermars.ch. Gute Schuhe, mehrere Schichten, ein regelmässiges Tempo und ein bequemes Bett am Ziel sind die beste Vorbereitung.
Den 1. März erleben, ohne 30 Kilometer zu laufen
Man muss nicht mitmarschieren, um den Tag zu erleben. Vieles spielt sich in der Stadt ab, und einiges davon wenige Schritte vom Hotel entfernt.
Die Tagwache beginnt vor Sonnenaufgang: In den letzten Jahren spielte die Association musicale Neuchâtel-Saint-Blaise ab 4.45 Uhr vor dem Monument de la République auf der Place Alexis-Marie-Piaget, bevor sie durch die Gemeinde zog und traditionsgemäss unter den Fenstern des Stadtpräsidenten spielte. Der Platz trägt den Namen des Mannes, der die erste republikanische Regierung bildete.
Gegen Mittag donnern die Kanonen auch beim Schloss Valangin, wo traditionell Erbsensuppe ausgeschenkt wird; Schloss und Museum waren an diesem Tag in den letzten Jahren gratis geöffnet. Valangin erreichen Sie mit dem Bus ab Neuenburg.
Auf der Place du Port stehen rund um den 1. März für gut zehn Tage die Karussells, das Volksfest der Neuenburger, direkt am See.
Am späten Nachmittag läuft alles beim Schloss und auf der Esplanade der Kollegiatskirche zusammen, wo die Wanderer zum offiziellen Teil erwartet werden: Reden, Kanonensalven, die Neuenburger Hymne und in manchen Jahren eine Licht- und Tonshow. Die Zeiten ändern sich von Jahr zu Jahr; das Programm veröffentlicht die Stadt Neuenburg auf neuchatelville.ch.
Das lange Wochenende 2027 ab dem Hotel Beaulac
Eine praktische Anmerkung für Gäste aus der Deutschschweiz: Der 1. März ist nur im Kanton Neuenburg ein Feiertag. Wer den Montag erleben will, nimmt ihn frei und macht daraus ein langes Wochenende. Von Bern sind es mit dem Direktzug rund 35 Minuten.
Wer mitläuft, hat zwei Möglichkeiten. Die Nacht auf den 1. März in Neuenburg verbringen und frühmorgens den Zug nach Le Locle nehmen. Oder, meist erholsamer, die Nacht vom 1. März für die Ankunft reservieren: Nach dreissig Kilometern vom Schloss an den See hinunterzugehen und in wenigen Minuten im Zimmer zu sein, ist ein gutes Gefühl.
Die Neuchâtel Tourist Card, die Sie ab der ersten Nacht erhalten, deckt die regulären Züge und Busse im Kanton ab, also auch die Fahrt nach Le Locle. Extrafahrten bei Veranstaltungen sind nicht inbegriffen.
Wer als Zuschauer kommt, reist am Samstag oder Sonntag an. So bleibt Zeit für das Schloss, bei gutem Wetter für den Chaumont, und am Montag für das Fest selbst, von der Tagwache bis zu den letzten Salven.
Ein Fest, das nicht für Touristen gemacht ist
Der 1. März ist kein Anlass für Besucher, und genau das macht ihn wertvoll. Ein ganzer Kanton erinnert sich zu Fuss, manchmal im Schnee, daran, dass er sich einst für die Republik entschieden hat.
Das Hotel Beaulac liegt am Hafen mitten im Geschehen, zwischen dem Monument de la République, den Karussells und dem Aufstieg zum Schloss. Buchen Sie Ihr Wochenende zum 1. März 2027 auf beaulac.ch oder unter +41 32 723 11 11.


